BC Regionalwärme Gruppe GmbH: energieautark in die Zukunft

Mit innovativen Projekten im Bereich erneuerbarer Energie setzt die Regionalwärme Gruppe, mit Sitz in Köttmannsdorf, auf das wertvolle Zusammenspiel von Regionalität, Versorgungssicherheit und Klimaschutz.

 

Das Interview ist hier auch als Podcast verfügbar.

Im Interview mit Herrn Johann Hafner, Gründer und Geschäftsführer
Das Standortmarketing Kärnten ist Ansprechpartner für alle, die mehr über den Wirtschafts-, Technologie-, Forschungs- und Bildungsstandort Kärnten wissen wollen. Im Rahmen des Zukunftsthemas “Green Economy” stehen Unternehmen und Investierende mit grünen Ideen im südlichsten Bundesland Österreichs im Fokus.

Großes Bestreben der grünen Transformation ist es, zukünftig in möglichst vielen Bereichen energieautark zu werden. Dabei spielt die Förderung regionaler Wertschöpfung eine wichtige Rolle. Was macht die Geschäftsidee der Regionalwärme Gruppe aus?

Hafner: Seit 15 Jahren basiert unser Geschäftsmodell darauf Wärme aus Biomasse zu erzeugen und über Fernwärmenetzsysteme an unsere Endkunden in Form von komfortabler, grüner Energie zu liefern. Mittels Substitution fossiler Energieträger durch ausschließlich heimische Biomasse, entsteht ein enorm positiver Umwelteffekt durch die regionale Ressource Holz. Infolgedessen wird eine bemerkenswerte, regionale Wertschöpfung generiert. Ebenso wird der Kapitalabfluss durch den Einkauf von fossilen Energien aus Österreich gestoppt.

Was einst 2007 mit der Gründung der Regionalwärme Rosental begann, ist mittlerweile zu einem großen Heizwerk-Netz herangewachsen, welches für rund 8.500 Kärntner Haushalte die Wärmeversorgung sicherstellt. Wie viele Biomasse Heizwerke sind derzeit in Betrieb?

Hafner: Aktuell betreibt die Gruppe 22 Biomasseanlagen. Drei weitere stehen gerade im Bau. Ebenso werden aktuell drei Abwärme-Projekte betrieben und weiterentwickelt. Der jährliche Ausbau von Fernwärme liegt zwischen 12.000 15.000 Meter.

Unter dem Titel “Wärme im Dialog mit Menschen und Natur” positionieren Sie sich mit der Unternehmensvision 2030 sehr stark, um die notwendige Energiewende positiv zu beeinflussen. Was sind dabei die wichtigsten Aufgaben und wo liegen die größten Herausforderungen?

Hafner: Der Grundsatz der Nachhaltigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch unser Unternehmen. Jede Investition wird auf deren Nachhaltigkeit geprüft, daher betreiben wir auch keine Ökostromanlagen, die nur über Förderungen wirtschaftlich sind. Wir errichten Infrastruktur für Generationen und dies im absoluten Einklang mit der Umwelt und der Natur. Die Herausforderung der Zukunft ist, dass die Energiewende in allen Bereichen, in allen Betrachtungsweisen und allen Entscheidungen einfließen muss – gerade auch in richtungsweisenden Entscheidungen der Politik. Ressourcen effizient zu nutzen, überall wo es möglich ist Abwärme zu verwerten und eine kaskadische Werkstoffnutzung zu betreiben.

Sie verantworten auch die Projektleitung. Wie umfassend ist das Portfolio der BCRegionalwärme und in welche zentralen Geschäftstätigkeiten gliedert sich die Gruppe?

Hafner: Die Tätigkeiten der gesamten Unternehmensgruppe sind auf 4 Hauptsäulen aufgebaut. Angefangen von der Projektentwicklung/Projektakquise, der detaillierten Projektplanung und Umsetzung (Errichtung / Bau der Anlagen und zugehöriger Fernwärmenetze), dem laufenden Betrieb und Instandhaltung bis hin zur stetigen Netzerweiterung und Verdichtung. Unser Portfolio umfasst sowohl die Errichtung von Fernwärmeversorgungen für Bezirksstädte, kleinere Ortschaften, einzelne Gewerbeobjekte, aber auch die Hotellerie und Gastronomie. Unser Endkundenportfolio besteht aus Privat- und Gewerbekunden, gemeinnützigen Wohnbauträgern, Bauträgern und Kommunen.

Wie funktioniert das Prinzip der Fernwärme eigentlich?

Hafner: In unseren Heizwerken, welche durch heimische Biomasse befeuert werden, wird warmes Wasser erzeugt. Dieses auf 95 Grad erhitzte Wasser wird dann über ein erdverlegtes und isoliertes Rohrsystem zu dem Endkunden gepumpt. Beim Kunden angekommen, entnimmt sich die Haustechnik so viel Wärmeenergie, wie für die entsprechende Raumheizung und auch Prozesswärme benötigt wird. Das abgekühlte Wasser kommt dann wieder zum Heizwerk zurück und wird erneut erhitzt.

Versorgungssicherheit spielt gerade in diesen krisengeplagten Zeiten eine sehr große Rolle. Wie gut ist das Fernwärme-Netz bereits ausgebaut?

Hafner: Die Versorgungssicherheit unserer Netze ist sehr groß, da wir auch in größeren Netzen mehrere Wärmeerzeugungsanlagen einbauen, um einen redundanten Betrieb für die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können. Das Ausbaupotential ist nach wie vor sehr hoch und die Nachfrage sprengt aktuell auch unsere Kapazitäten.

  • Johann Hafner

    “Die Regionalwärme errichtet die Infrastruktur für Generationen und dies im absoluten Einklang mit der Umwelt und der Natur. Die Herausforderung der Zukunft wird sein, dass die Energiewende in allen Bereichen, in allen Betrachtungsweisen und in allen Entscheidungen mit einfließen muss.”

Damit Ideen von morgen in einer innovativen Umgebung umgesetzt werden können, benötigt es die entsprechende Infrastruktur. Was zeichnet Ihrer Meinung nach den Wirtschaftsstandort Kärnten aus?

Hafner: Wir leben und werken im Alpen-Adria-Raum. Einer Region, in welcher noch ungeahntes Potenzial schlummert. Der Kapitalabfluss für Energie hat vieles verhindert. Wäre dieses Geld über die letzten Jahrzehnte bereits in den regionalen Kreislauf gelangt, wären wir meiner Meinung nach schon viel weiter. Allerdings ist Kärnten in der Region ein absoluter Vorreiter. Die jungen Generationen denken anders. Vieles, das aktuell noch bekämpft oder wenig ernst genommen wird, nehmen die Jungen und folgenden Generationen bereits als selbstverständlich an. Das Klima verändert sich immer stärker und wir müssen uns darauf einstellen. Restriktionen und Verbote sind notwendig.

Innovation passiert durch Kollaboration. Was bedeutet Zusammenarbeit und welche Möglichkeiten bieten potenzielle Partnerschaften in Kärnten? An welchen Partnerschaften sind Sie interessiert?

Hafner: Partnerschaft beginnt bei uns bereits in unserem Team. Ich bezeichne unsere Mitarbeiter:innen als absoluten Hochleistungsmotor. Die Motivation in einem Bereich tätig zu sein, der unser aller Klima schützt, ist nochmal eine große Stütze. Wir sind in unserer Gruppe immer mit Partnern gewachsen und werden das auch weiterhin mit offenen Armen tun. Klimaschutzprojekte dürfen keiner Konkurrenz unterliegen. Gerade im wichtigsten Segment mit vorhandenen Abwärmepotenzialen kommen wir ins Spiel. Wir nutzen diese Wärme und verteilen sie an den Kunden. Hier entsteht eine unglaubliche Win-Win-Situation. Dass es partnerschaftlich funktionieren kann, zeigt auch unser neuer Zweig der Industrie-Dekarbonisierung. Wir liefern unseren Partnern maßgeschneiderte Energielösungen und langfristige Partner von uns liefern uns die heimische Biomasse.

Welche Rolle nimmt Regionalität in Zukunft ein? Welche Entwicklungen zeichnen sich in diesem Zusammenhang in unserer Wirtschaftsregion ab?

Hafner: Der Stellenwert der Regionalität gewinnt für jeden Einzelnen immer mehr an Bedeutung. Da sie sowohl in der Energieversorgung wie auch in der Qualität der heimischen Lebensmittel, Sicherheit mit sich bringt. Dieses Umdenken bekommt Gott sei Dank eine positive Dynamik, denn regionale Kreisläufe sichern Wohlstand und bringen Stabilität.

Die Suche nach Fachkräften explodiert nahezu am Markt. Ein großer Schwerpunkt Ihres Unternehmensleitbildes liegt auf dem Bestreben, der beste Arbeitgeber der Region zu werden. Wie gelingt es und wie findet man als Jobinteressent:in am besten zu Ihnen?

Hafner: Wir wollen immer anders sein und dadurch natürlich auch besser sein und besser werden. Daher ist jede:r Mitarbeiter:in von uns auch ihr/sein eigener Chef und hat eigene Verantwortungs- und Wirkungsbereiche. Motivation durch viele, persönliche Gespräche lassen uns gemeinsame Wege schmieden. Egal ob an einem Montagmorgen oder an einem Samstagabend - es ist für uns wirklich von größter Bedeutung, dass unsere Mitarbeiter:innen das gleiche, motivierte Gefühl an den Tag legen. Wir dürfen die Energiewende mit viel Innovationsgeist, Ausdauer und Mut mitgestalten. Viele Mitarbeiter:innen kommen mit Initiativbewerbungen zu uns. Talente werden auch von uns gesucht. Wir leben Gemeinsamkeit, Solidarität sowie Geschlossenheit und wir sind ein großartiges TEAM!

  • Johann Hafner

    Der Klimaschutzwerkstättenleiter, wie ihn sein Team liebevoll nennt, ist der Geschäftsführer, der strategische Leiter und Eigentümervertreter der Regionalwärme Gruppe. Diese wurde 2007 im Rosental gegründet. Mit seinem Lebenswerk, wie er sein Unternehmen auch gerne nennt, baut er auf Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung. Hoch hinaus geht es auch in seinem Lieblingshobby, dem Segelflug.