Woody Schuhmanufaktur: nachhaltig international erfolgreich

Woody Schuhmanufaktur: nachhaltig international erfolgreich

Bei der Woody Schuhmanufaktur wird Nachhaltigkeit und der ressourcenschonende Umgang mit der klimafreundlichen Ressource Holz seit Generationen gelebt. Die Holzschuhe mit der biegsamen Sohle werden umwelt- und ressourcenschonend in Unterkärnten entwickelt und produziert.

 

Das Interview ist hier auch als Podcast verfügbar.

Die Woody Schuhmanufaktur in Müllnern in Sittersdorf blickt auf eine lange Geschichte als Kärntner Familienunternehmen zurück und feiert heuer Ihr 100-jähriges Jubiläum. Von starren Sohlen für den bäuerlichen Gebrauch hin zum bequemen Fashion-Statement.

Womit beschäftigt sich die Woody GmbH und was gibt es über den Junior-Geschäftsführer in der vierten Generation Sandro Piroutz zu erfahren?

Piroutz: Wir, die Firma Woody, sind in Sitterdorf seit knapp 100 Jahren als Unternehmen angesiedelt, welches biegsame Holzschuhe entwickelt und fertigt. Wir blicken auf eine lange Firmengeschichte zurück. Von Clogs über Sneaker, Stiefel und Sandalen bietet Woody eine sehr große Produktpalette an. 

Und über meine Person: Ich bin aufgewachsen in Kärnten und war schon von klein an in der Produktion unterwegs. Ich bin also mit dem Betrieb aufgewachsen und in den Betrieb hineingewachsen. Es war schon als kleines Kind mein Wunsch, einmal in das Unternehmen einzusteigen und dieses weiterzuführen. 

100 Jahre Woody in Südkärnten ist natürlich auch ein Erfolgsgarant. Was trägt der Standort Kärnten dazu bei und wie schreibt sich die Geschichte des Unternehmens?

Piroutz: Der Standort Kärnten ist wirklich ein Juwel für Unternehmen. Wir sind umgeben von Bergen und Seen und auch die Infrastruktur in Kärnten ist sehr gut. Wir sind Kärnten von Anfang an treu geblieben. 1922 hat mein Uropa mit der Produktion von Holzrechen, Heugabeln und Zockeln, also Schuhe für den bäuerlichen Gebrauch gestartet. Als mein Opa das Unternehmen übernommen hat, hat er sich immer mehr auf die Schuhproduktion fokussiert, da damals die Nachfrage nach Holzschuhen gestiegen ist. Und als mein Vater 1980 übernommen hat, wollte er sich vollkommen auf Holzschuhe fokussieren und mit diesen auch in die Zukunft gehen.  

Der neue Geschäftsführer bringt auch neuen Wind ins Unternehmen. Wie zeichnet sich die Zukunft von Woody in Bezug auf den Mitbewerb aus?

Piroutz: Dadurch, dass ich noch ein junges Alter habe, sagt mein Vater immer: „Du bringst frischen Wind in das Unternehmen.“ Die nächsten Pläne sind es, die Marke weiter aufzufrischen – vom Design, aber auch in Bezug auf die Modellgestaltung. Für die Zukunft wollen wir unseren Handel verstärken und mit unseren Produkten in neue Märkte eintreten. Unser USP gegenüber dem Mitbewerb ist die hohe Qualität. 

Bei Woody wird das Thema Nachhaltigkeit großgeschrieben. Wie ist dieser Umstand in der Unternehmensphilosophie verankert und wie findet er sich in der operativen Arbeit wieder?

Piroutz: Unser Grundwerkstoff, unser natürlicher Werkstoff, ist Holz. Auch wenn wir das Holz für die Produktion unserer Schuhe nicht selbst schlägern, haben wir einen Händler der nachhaltig wirtschaftet und nachhaltige Forstwirtschaft betreibt. Das heißt, dass jeder Baum, der für unsere Schuhe gefällt wird, auch aktiv nachgepflanzt wird. Weiters haben wir ein Projekt mit dem Namen „Woody-Aufforstung“ ins Leben gerufen. Leerstehende Waldflächen werden gepachtet und neue Bäume gepflanzt. Inzwischen haben wir 1500 neue Bäume auf ca. 1,4 Hektar gepflanzt, die wir in den nächsten drei Jahren auch betreuen werden. So kann ein neuer Mischwald entstehen.

In Bezug auf Strom und Photovoltaik: Mit welchen nachhaltigen und umweltschonenden Sonderlösungen wird bei Woody produziert?

Piroutz: Wir haben im Mai unsere Photovoltaikanlage in Betrieb genommen. Diese leistet insgesamt 102 kWp. Das ermöglich uns die Bereitstellung von über 70% des Stromverbrauchs, welchen wir in der Produktion benötigen. Außerdem heizen wir mit unseren Produktionsabfällen, d.h. mit Sägespänen, die in der Produktion anfallen und Holzabfällen unser gesamtes Areal mit rund 3000 m².

Kärnten ist in alle Himmelsrichtungen logistisch gut angebunden. Welche Vorteile bietet der Standort Kärnten punkto Supply-Chain und Logistik? Gibt es etwas, das besonders heraussticht und woher kommen die Rohmaterialen?

Piroutz: Wir sind in Kärnten mit diesem Standort in einer glücklichen Lage, da wir mitten in der Alpe Adria Region sind. In Slowenien und Italien kennen wir viele Unternehmen, mit denen wir auch zusammenarbeiten. In Slowenien haben wir Formenbauer, Leistenbauer als Partner. Hier ist der kurze Weg von Vorteil. Kurzum ist der Standort Kärnten mit den Nachbarländern sehr gut. 

  • Sandro Piroutz

    "Wir sind in Kärnten mit diesem Standort in einer glücklichen Lage, da wir mitten in der Alpe Adria Region sind. In Slowenien und Italien kennen wir viele Unternehmen, mit denen wir auch zusammenarbeiten. "

Wenn man sich die Zielmärkte des Standortmarketings und des Landes Kärnten ansieht, also Slowenien, Norditalien, Süddeutschland und Österreich: findet man Woody-Produkte auch in den Nachbarländern? 

Piroutz: In Österreich haben wir erstmal unser eigenes Geschäft sowie auch den Online-Shop. Dazu haben wir verteilt einzelne Händler im stationären heimischen Handel, genauso wie in Süddeutschland. 
In Bayern pflegen wir eine sehr gute Zusammenarbeit mit einem Händlernetz. Hier finden unsere Produkte großen Anklang. In Italien haben wir aktuell keinen Händler. Vor kurzem hat sich aber eine Möglichkeit mit einem ersten interessierten Händler aufgetan. Er ist an uns herangetreten, um in Italien einen Woody-Shop zu eröffnen. 

In Bezug auf Kärntner Partnerschaften: Welche Vorteile bieten potenzielle Partner in Kärnten punkto Entwicklung und Forschung? 

Piroutz: Wir haben eine Partnerschaft beziehungsweise eine Kooperation mit Wood K plus, dem Kompetenzzentrum für Holz in St. Veit and der Glan. Dieses hat uns bereits in den vergangenen Jahren und wird uns auch in der Zukunft mit ihrer Expertise im Holzbereich unterstützen. Wir haben zusätzlich seit 1969 eine Kooperation mit dem Unternehmen Devich aus Vorarlberg, mit welchen sich zusätzlich über die Jahre eine Freundschaft entwickelt hat. Unsere beiden Unternehmen produzieren und verkaufen Holzschuhe. Wir tauschen uns punkto Produktion und den Marktgegebenheiten aus und helfen uns gegenseitig. 

Durch die Bewerbung des Standortmarketings Kärnten kommen immer mehr Unternehmen auch nach Kärnten, da der Standort an sich sehr interessant ist. Was sollte ein Unternehmen oder möglicher Partner mitbringen, wenn es bei der Woody Schuhmanufaktur andocken möchte?

Piroutz: Vor kurzem gab ein schönes Projekt mit einer Diplomarbeitsgruppe aus dem Burgenland, die eine Idee mit einem neuen Fußbett mitgebracht hatte. Es waren drei junge, engagierte Jungs die mit der Idee sowie einer selbstgebauten Maschine zu uns gekommen sind und uns um Rat gebeten haben. Sie wollten ein neues Fußbett in eine Sohle fräsen. Ich habe dieses Projekt sehr dankend angenommen. Die Gruppe PantoPlus ist inzwischen auch im Jugend-Innovativ-Finale und hat auch den zweiten Platz bei einem anderen Diplomarbeitswettbewerb erreicht. 

Eine Zusammenarbeit mit unseren südlichen Nachbar Italien gibt es ja schon auf der Basis als Zulieferer von Rohmaterialien.

Piroutz: Genau. Wir beziehen unser Leder, welches wir für alle unsere Schuhe verwenden, aus Italien. D.h. unsere Gerbereien haben ihren Sitz in Santa Croce in der Nähe von Pisa. Der Standort Kärnten und die Nähe zu Italien sind hier für uns natürlich optimal, da wir kurze Lieferwege haben und jederzeit für einen kurzen Besuch in die Steppereien vorbeikommen können. Einzelheiten können so ganz einfach geklärt werden.  

Gibt es spezielle Projekte von Woody auf dem süddeutschen bzw. deutschen Markt oder ist in Zukunft etwas geplant?

Piroutz: In Deutschland, speziell in Süddeutschland, sind wir in Bayern mit einigen Händlern schon vertreten. Aber natürlich ist der Wunsch da, immer mehr Partner zu bekommen und mehrere Händler für uns zu gewinnen. Wir können aus Erfahrung heraus sagen, dass diese Region unsere Schuhe sehr gut annimmt und ein großes Interesse zeigt. 

Gibt es spezielle Projekte von Woody auf dem slowenischen Markt? Welche Aktivitäten sind geplant? 

Piroutz: In Slowenien arbeiten wir mit einem Unternehmen zusammen, welches für uns den Formanbau und Leistenbau übernimmt. Daneben sind auch Arbeitskräfte aus Slowenien interessant. Aktuell haben wir fünf bis sechs slowenische Mitarbeiter. Sie fahren circa 30 Minuten zu uns, was wiederum für den Standort Kärnten spricht. Die örtliche Nähe zu unseren Nachbarländern. Somit können auch Mitarbeiter aus den Nachbarstaaten nach Kärnten kommen und neben der Arbeit auch die Schönheit der Umgebung genießen.

Herr Piroutz, Junior-Geschäftsführer der Woody GmbH, wir wünschen ihnen viel Erfolg für die Zukunft. Vielen Dank für das Gespräch und wir freuen uns auf weitere Erfolge aus Kärnten. 

 

  • Sandro Piroutz

    Sandro Piroutz ist als Unternehmersohn in Südkärnten aufgewachsen und war schon als Kind in der Schuhproduktion seiner Eltern unterwegs. Schon sehr früh hatte er den Wunsch, mitarbeiten zu dürfen und die Woody Schuhmanufaktur später einmal weiterzuführen. Er ist begeisterter Sommer- und Wintersportler und ein großer Fußballfan.